verband bei Hund

Mein Tier ein orthopädischer Patient?

Ist mein Tier ein orthopädischer Patient oder doch nicht?

In der orthopädischen Sprechstunde sehe ich viele verschiedene Lahmheiten oder Gangbildstörungen. Um die Vorgeschichte zu erfahren stellen sich folgende Fragen: Wann tritt die Lahmheit auf? Wie lange hat das Tier die Lahmheit? Wurde es schon vorbehandelt? Wie wird es gefüttert? Gibt es andere Erkrankungen? Wie läuft das Tier längeren Strecken auf unebenem Boden? Anschließend besichtige ich die Veränderung (Adspektion) und mache eine Ganganalyse im Schritt und Trab, das heißt in Ruhe und Bewegung. Hiermit entsteht ein genaues Bild.

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Untersuchung eines lahmenden Patienten

Die Untersuchung beginnt, wenn ich den Hund im Wartezimmer aufrufe. Daher nicht böse sein, wenn ich im ersten Moment nur Augen für Ihr Tier habe. Wir starten mit einer Allgemeinuntersuchung. Dieser folgt eine neurologische Untersuchung und eine orthopädische Untersuchung am stehenden oder liegendem Tier, entsprechend wie unser Patient mitspielt.

Tipp: Ein selber aufgenommenes Video (mit dem Smartphone) hilft auch sehr gut, da viele Tiere die Symptomatik in der Praxis nicht zeigen.

Vor allem Katzen sind häufig nicht davon zu überzeugen, bei einer Ganganalyse mitzumachen. Meist finden sie die einzige Stelle im Raum, aus der man sie nicht wieder herausbekommt. Falls auch schon Röntgenaufnahmen oder Computertomographiebilder existieren, gerne immer mitbringen oder uns vorab per Mail zukommen lassen. Sollten diese Bilder in einer anderen Praxis liegen, setzen wir uns gerne mit den Kollegen in Verbindung.

In unserer Praxis haben wir die Möglichkeit, weitere speziellere Untersuchungen vorzunehmen, wie digitales Röntgen, welches häufig unter kurzer Sedation mittels Propofol erfolgt. Orthopädischer Ultraschall und Blutuntersuchungen sind auch verfügbar.

Tipp: Um die spezielleren Untersuchungen durchführen zu können, sollte das Tier nüchtern (Magen leer) sein, damit – in Absprache mit ihnen – eine Kurznarkose erfolgen kann.

 

Therapieplan und Beratung

Im Folgenden erstellen wir mit Ihnen einen Therapieplan für Ihr Tier.  Vor allem beim jungen Hund ist es unser Ziel, Erkrankungen  wie zum Beispiel genetisch bedingte Erkrankungen des Skeletts frühzeitig zu erkennen.  Therapeutische Behandlungen sollten schnellstmöglich durchgeführt werden, um Folgeschäden zu vermeiden oder zu minimieren. Wir beraten Sie auch gerne zur Ernährung ihres jungen Tieres oder zur Belastbarkeit hinsichtlich Sportaktivitäten.

Häufige Erkrankungen sind an der Vordergliedmaße die OCD des Schultergelenkes (Osteochondrosis dissecans Caput humeri), bei der ein Fragment im Gelenk vorliegt, welches sich vom Knorpel gelöst hat. Die Ellbogendysplasie beinhaltet mehrere Krankheitskomplexe, die einzeln oder zusammen auftreten können. Außerdem treten Arthrosen, Knochentumore oder Entzündungen des Bandapparates auf.

Häufige Erkrankungen der Hintergliedmaße sind zum Beispiel Hüftgelenksdysplasie (eine Fehlentwicklung des Hüftgelenks), Kreuzbandriss, Kniescheibenluxation, Arthrosen oder Tumore. Bei einigen Bulldoggen wie der Englischen Bulldogge kommt der Kreuzbandriss auch schon in jungen Jahren vor. Eigentlich tritt diese Erkrankung aufgrund degenerativer Prozesse beim älteren Hund auf.

 

Nicht immer ein orthopädisches Problem

Immer wieder stellen sich orthopädische Probleme im Nachgang als internistisches Problem heraus. Es gibt demzufolge einige Infektionskrankheiten, die bei Hund oder Katze entsprechend zu Lahmheit führen. Bei der Katze beispielsweise die Toxoplasmose, beim Hund die Borreliose oder die Leishmaniose.

Die Toxoplasmose ist eine Erkrankung hervorgerufen durch Einzeller (Parasiten), die neurologische Symptome auslösen durch Entzündungen der Muskulatur oder Nervenwurzeln. Die Borreliose ist eine Erkrankung, die durch Zecken übertragen wird. Die Symptome der Borreliose sind vielfältig, unter anderem  Schmerzen in Muskeln und Gelenken. Es gibt mittlerweile einen Impfstoff gegen drei Borrelien-Stämme  (Merilym3). Die Verringerung der Übertragung der Borrelien ist nur unter Laborbedingungen untersucht worden. Unter den Bedingungen wurde gezeigt, dass bei geimpften Hunden im Gegensatz zu ungeimpften Tieren keine Borrelien aus der Haut isoliert werden konnte. Die Impfung sollte vor der Zeckensaison beginnen und nach drei Wochen wiederholt werden. Dann jährlich. Grundsätzlich empfehlen wir eine gute Zeckenprophylaxe.

Endokrinologische Erkrankungen sind häufig auch von Gangbildstörungen begleitet. Allen voran die Blutzuckerkrankheit (Diabetes mellitus) bei der Katze, die eine so genannte plantigrade Fußung (Bärentatzengang) zeigt. Dies bedeutet, dass sie vom Sprunggelenk bis zur Pfote aufsetzt.

Beim Morbus cushing produziert die Nebenniere zuviel körpereigenes Cortison (Cortisol).  Eine sehr komplexe Erkrankung mit vielen Symptomen. Die meisten Hunde trinken viel, setzen viel Urin ab, haben ein verändertes Hautbild, Gewichtszunahme und Muskelschwäche. Die Diagnose erfolgt über Blutuntersuchung, Ultraschall und einer Urinuntersuchung. Es betrifft häufig kleine älter Hunde.

Bei der Myasthenia gravis besteht eine neuromuskuläre Übergangsstörung, welche sich in einer Schwäche/Muskellähmung äußert. Die häufigste Ursache ist eine Autoimmunerkrankung. Sie kann beim jungen Hund auftreten, aber auch als Begleiterkrankung bei Tumoren. Selten kann sie auch angeboren sein. Man beobachtet häufig bei Anstrengung eine Schwäche, die sich meist nach eine Pause wieder erholt. Häufig findet man bei diesen Patienten auch eine erweiterte Speiseröhre (Megaoesophagus). Die Diagnose wird über eine Injektion mit Neostigmin, eine Blutuntersuchung auf Antikörper gegen Acetycholinrezeptoren und oder eine Nervenstimulationsstudie gestellt.

 

Manchmal harmlos

Manchmal ist auch einfach nur ein Fremdkörper, der die Pfote verletzt hat oder noch festsitzt für eine Lahmheit die Ursache. Wie dies bei unserer Hündin Geetha der Fall war. Sie hat sich beim Spaziergang eine Scherbe eingetreten, die wir entfernen konnten. Nach einer Woche Verband war alles wieder bestens.

eingetretene Glasscherbe

eingetretene Glasscherbe