Kaninchen Tierarztbergedorf

Encephalitozoonose  (Sternguckerkrankheit) – „Wenn Alles drunter und drüber geht.“

Wenn das Kaninchen plötzlich den Kopf schief hält, sich um die Längesachse dreht, nicht mehr aufrecht sitzen kann oder Lähmungen zeigt, steckt häufig der Erreger Encephalitizoon cuniculi dahinter.

Etwa 50% aller Hauskaninchen haben Antikörper gegen diese Pilzart. Allerdings erkranken deutlich weniger. Die Ansteckung erfolgt oral durch Aufnahme von Urin eines infizierten Kaninchens. Der Erreger befällt besonders das Nervensystem und die Nieren und löst in diesen Organen eine Entzündung aus. Bei einigen Kaninchen besiedelt der Erreger auch das Auge, was zu weißlichen Einlagerungen in der Linse führt.

Es wird eine akute Enzephalitozoonose, die mit obigen Krankheitsanzeichen einhergeht von einer chronisch-versteckten Infektion unterschieden. Das heißt, dass Kopfschiefhaltung bei einem Kaninchen, das Antikörpern gegen Enzephalitozoon besitzt, genauso gut durch andere Erkrankungen ausgelöst werden kann.  Differentialdiagnostisch kommen Schlaganfall, Mittel/Innenohrentzündung, Gehirntumor und Erkrankungen der Wirbelsäule in Frage.

Deswegen ist es sinnvoll bei erkrankten Tieren Röntgen- und Blutuntersuchungen durchzuführen.

Da der Erreger nur unregelmäßig mit dem Urin ausgeschieden wird, ist der Nachweis im Harn unzuverlässig.

Die Therapie ist trotz zum Teil dramatischem Krankheitsbild sinnvoll und ist umso erfolgreicher, je eher sie begonnen wird. Zudem sind Allgemeinbefinden und Futteraufnahme meist wenig gestört. Selbst, wenn eine leichte Kopfschiefhaltung zurückbleibt, können die Tiere damit gut weiterleben.

Bei Lähmungen ist die Prognose jedoch vorsichtig.

Die symptomatische Therapie besteht in Vitamin-B-Gaben, Infusionen für den Kreislauf und Mitteln, die das Immunsystem stärken. Der Einsatz von Cortison wird kontrovers diskutiert.

Außerdem werden die Kaninchen mit einem Antibiotikum für 7-10 Tage und Fenbendazol für 3 Wochen abgedeckt.

Physiotherapie und rutschfester Untergrund sind hilfreich.

Zum jetzigen Zeitpunkt ist keine Erregerelimination möglich. Gerade in Stresssituationen kann es erneut zu einem Krankheitsausbruch kommen. Deswegen ist es sinnvoll, den Tiere während einer stressigen Zeit Fenbendazol zu verabreichen. Regelmäßige Nierenwertkontrollen sind angeraten.

 

Schon als Kind wollte ich Tierärztin werden. Ich fühlte schon immer eine starke emotionale Verbindung zu allen Lebewesen.

Außerdem bin ich ein leidenschaftlicher Rätsellöser – kein Sudoku wandert bei uns ungelöst in den Papierkorb. 😉

Mein Beruf ist unglaublich abwechslungsreich und spannend. Einige Erlebnisse und Erfahrungen möchte ich in den Blogs weitergeben. Viel Spaß beim lesen