Befiederungsstörungen bei Sittichen und Papageien

Federn sind Horngebilde, die im Wachstum durch einen Blutkiel versorgt werden, der sich später zurückbildet. Es gibt Daumen- und Konturfedern. Das Gefieder spiegelt den Gesundheitszustand des Vogels wieder. Es gibt zahlreiche Ursachen, die zu Veränderungen des Federkleides führen können. 

Viruserkrankungen

PBFD (Psittacine Beak and Feather Disease)

Das ursächliche Circovirus wird über den Federstaub, Kot und Kropfsekrete übertragen. Es ist sehr stabil in der Umgebung (Desinfektionsmittel auf Glutaraldehydbasis). Organe des Immunsystems, Speiseröhren- und Kropfschleimhaut werden befallen und lösen eine Schwächung der Abwehr aus.  Das Auftreten erster Krankheitsanzeichen nach der Infektion (Inkubationszeit) beträgt bei Nestlingen 3-4 Wochen und kann bei erwachsenen Vögeln bis zu Jahren dauern.  Junge Papageien unter drei Jahren sind anfälliger. Der Krankheitsverlauf ist abhängig vom Alter und kann tödlich enden. Bei älteren Vögeln verläuft die Erkrankung meist chronisch mit Federveränderungen. Diese fallen meist symmetrisch aus und zeigen Einschnürungen an den Federschäften. Besonders bei Kakadus treten Schnabelverformungen und –erweichungen auf.

Der Virusnachweis kann in Feder- und Blutproben durchgeführt werden, ist bei einem negativen Befund jedoch nicht beweisend. Eine ursächliche Therapie ist nicht möglich. Maßnahmen zur Unterstützung des Immunsystems (Vitamine, Probiotika)  sind ratsam. 

Polyomavirusinfektion (Französische Mauser)

Diese Erkrankung tritt vorwiegend bei Wellensittichen auf und wird über Kot und Hautzellen übertragen. Eine besondere Rolle spielen dabei klinisch gesunde, aber dennoch infizierte Vögel, die das Virus ausscheiden. Infizieren sich sehr junge Nestlinge versterben diese. Erfolgt die Ansteckung zu einem späteren Zeitpunkt, entwickelt sich die chronische Form, bei der die langen Flügel- und Schwanzfedern ausfallen. 

Die Diagnose erfolgt über den Virusnachweis in Federn, Kloakentupfer oder im Blut. Auch hier gibt es keine ursächliche Therapie. 

Federmilben/Federspulmilben/Federlinge

Diese kommen bei Papageien und Sittichen selten vor. Zumeist sind sie streng wirtsspezifisch. Sie lassen sich gut behandeln, sind aber oft Zeichen für einen schlechten Gesundheitszustand des Tieres.

Haltungsbedingte Ursachen

Zu kleine Käfige, Überbesatz oder ungeeignete Einrichtungsgegenstände können Schäden am Federkleid verursachen. Einseitige und unausgewogene Ernährung führen zu einem Mangel an Aminosäuren, Vitaminen und Mineralstoffen und sind ursächlich für stumpfes Gefieder, Federverlust, Stockmauser oder Federverfärbungen, bspw. bei Amazonen von grün nach gelb oder bei Graupapageien von grau nach rot.  

Zinkvergiftung

In geringen Dosen aufgenommene Zinkmengen (Beschichtung vieler Käfige) können Federrupfen, Juckreiz und erhöhte Wasseraufnahme induzieren.

Organerkrankungen

Leber- oder Nierenfunktionsstörungen können Juckreiz und erhöhtes Putzbedürfnis auslösen. Bei Papageien sind häufig Schimmelpilze, die Gifte produzieren ursächlich für Leberprobleme.  Einseitige Wachstumsstörungen der Federn können durch Arteriosklerose ausgelöst werden. Diese tritt oft bei Graupapageien auf. 

Zur Diagnose ist eine Röntgen- und Blutuntersuchung hilfreich.

Verhaltensbedingte Ursachen („Rupfer“)

Durch eine psychische Störung kommt es v.a. bei Graupapageien, Aras und Kakadus zu übermäßigem Putztrieb, der federlose oder nur noch mit Daunen bedeckte Areale (zumeist Brust/Bauch)  nach sich zieht. Typisch für „Rupfer“ ist das schöne Kopfgefieder. Durch wiederholtes Ausreißen der Federn kommt es zu einer irreversiblen Schädigung der Federfollikel, so dass keine Federn mehr nachwachsen. Gelegentlich fügen sich die Tiere sogar tiefe Wunden zu. Die Ursachen für das Fehlverhalten sind vielfältig: Handaufzuchten, sexuelle Frustration, Einzelhaltung, ungeeignetes Partnertier, Langeweile, Veränderungen in gewohnter Umgebung, ungeeignetes Klima. 

Die Diagnose „Rupfer“ erfolgt durch Ausschluss aller anderen möglichen Ursachen für Federveränderungen.