laufender Hund auf Wiese

Hüftgelenksdysplasie

Die Hüftgelenksdysplasie (HD) ist vor allem für Besitzer junger Hunde größerer Rassen von entscheidender Bedeutung.

 

Was ist HD

Bei der HD passen die Gelenkpfanne der Hüfte und der Oberschenkelkopf nicht korrekt ineinander. Je nach Schweregrad können die Symptome unterschiedlich ausgeprägt sein. Die Entwicklung der Hüftgelenke wird durch die Erbanlagen und die Ernährung beeinflusst.

 

Ein Fall aus der Praxis

Kürzlich wurde mir ein zweijähriger großer Mischlingshund namens „Anton“ vorgestellt. Den Besitzern war schon im Welpenalter ein etwas „watscheliger“ Gang aufgefallen. Sie dachten, dass dies eine kleine Marotte ihres Hundes sei. Bei der Untersuchung zeigte jedoch „Anton“ deutliche Schmerzen in der Hüfte. Dies wollten wir weiter abklären.

 

Wie kann man die HD diagnostizieren

Die anatomische Ausprägung und die Position der Hüftgelenkspfanne und des Oberschenkelkopfes werden mit Hilfe einer Röntgenaufnahme beurteilt.

Hierbei ist es essentiell, dass das Tier korrekt gelagert wird. Die Hinterbeine werden in Rückenlage nach hinten gestreckt und eingedreht. Diese Position ist ziemlich unangenehm und sollte bei kompletter Muskelentspannung durchgeführt werden. Deshalb sollte diese Untersuchung unbedingt in Sedation erfolgen. Schon ein leichtes Verdrehen oder Verkippen verhindert die korrekte Auswertung der Röntgenaufnahme.

Wir teilen die Hüftgelenksdysplasie in fünf Schweregrade ein:

  • A = HD frei
  • B = Übergangsform
  • C = leichtgradige HD
  • D = mittelgradige HD
  • E = hochgradige HD

 

Bei unserem Patient „Anton“ zeigte sich Grad D =mittelgradige HD (oberes Bild). Darunter zum Vergleich die Röntgenaufnahme eines jungen Hundes mit einer gesunden Hüfte:

 

Röntgenbild-Hund-Hüfte

Hüftdysplasie

Röntgenbild-Hund-Hüfte

Gesunde Hüfte

 

Die HD-Untersuchung ist vor allem für die Zucht unerlässlich, um diese schmerzhafte Krankheit, die die Lebensqualität stark beeinträchtigen kann, zu bekämpfen. Für den Zuchtwert eines Tieres ist auch die Qualität der nahen Verwandten sehr wichtig.

 

Therapie der Hüftgelenksdysplasie

Es gibt zahlreiche verschiedene konservative und operative Behandlungsmöglichkeiten der Hüftgelenksdysplasie. Diese müssen abhängig vom Alter, Größe, Schweregrad der HD und Trainingszustand individuell abgestimmt werden.

Unser Patient „Anton“ läuft momentan unter Schmerzmitteln und Umstellung der Fütterung beschwerdefrei. In Kürze wird eine Operation (Denervierung), als schmerzlindernde Methode, durchgeführt. Bei der Denervierung werden die Nervenfasern, die das Hüftgelenk innervieren, durch Abschaben der Knochenhaut in einem bestimmten Bereich des Hüftgelenkrandes durchtrennt. Mit dieser Methode wird zwar die Ursache nicht bekämpft, aber der Schmerz verschwindet größtenteils. Das Gelenk bleibt dabei unberührt.
Je früher eine Erkrankung festgestellt wird, desto eher kann ein kleiner Eingriff wie zum Beispiel die Myektomie (Durchtrennung des Pektineusmuskels) Linderung verschaffen. Es macht Sinn, Hunde gößerer Rassen noch vor Vollendung des ersten Lebensjahres auf HD zu röntgen.

Weitere Behandlungsmethoden sind:

– Femurkopfresektion (Entfernung des Oberschenkelkopfes)

– künstliches Hüftgelenk

– Goldakupunktur

-Physiotherapie

 

Wir beraten sie auch gerne im Hinblick auf Sport und Ernährung ihres Tieres.

Seit April 2018 gehöre ich zum Team Tierarztbergedorf.  Mein Fachgebiet ist die Orthopädie: Abklärungen von Lahmheiten mit Hilfe bildgebender Verfahren wie Röntgen, Sehnenultraschall und CT und die Diagnostik von Gelenkserkrankungen bei Junghunden, Hüft- und Ellbogengelenksdysplasien. Viel Spaß beim lesen!